Die Bibel und der Schlaf

Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und esset euer Brot mit Sorgen;
denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.
PS 127, 2

Gleich zwei kompetente Autoren, die Pfarrer Detlef A. Rose und Jo Winter,
haben sich mit dem Verhältnis der Bibel zum erst- und zweitnormalen Schlaf beschäftigt.
Delta Times Titel

Delta-t, die Bibel und der Schlaf

Theologische Anmerkungen von Detlef A. Rose - © by Detlef A. Rose

Im Alten und Neuen Testament finden sich etliche recht aufschlußreiche Bibelstellen zum Thema „Schlaf“. Es spiegelt sich darin die Ambivalenz menschlichen Lebens und menschlicher Erfahrung.

Da wird Schlaf zum Kennzeichen grenzenloser Faulheit: „Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?“

Gleichzeitig ist tiefer Schlaf der Lohn der Arbeit: „Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen.“ Und außerdem - im Frieden erst kann geschlafen werden („Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen“) und wer mit Gott und nach seinen Geboten lebt, dem will Gott solchen Frieden geben.

Das Gefühl völliger Schlaftrunkenheit und Benommenheit nach dem Aufwachen ist der Bibel dabei nicht unbekannt „Wer einen Narren lehrt, der ... handelt wie einer, der jemand aus tiefem Schlaf weckt. Wer mit einem Narren redet, der redet mit einem Schlafenden, der am Ende fragt: Was ist denn?“

Daneben steht als allgemein menschliche Erfahrung die Schlaflosigkeit, von der es heißt, der Gottlose leide sieben mal mehr darunter als die übrigen Menschen. Als Hauptgründe werden uns genannt die Sorge um Reichtum und Besitz, aber auch Krankheiten.

Als besondere Form der Schlaflosigkeit, die den Menschen peinigt, wird ein typischer Alptraum beschrieben: „... bald ist ihm im Schlaf, als wäre es Tag und er sähe die Feinde kommen, und er erschrickt im Traum, als fliehe er aus der Schlacht; und im Augenblick der Not wacht er auf und ist heilfroh, daß die Furcht umsonst war.“

Gewarnt wird vor mangelnder Lebensdisziplin, gegen die ein natürliches Schlafbedürfnis als Ausrede ins Feld geführt wird: „Ja, schlafe noch ein wenig, schlummre ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, daß du schlafest, so wird dich die Armut übereilen.“ So führt die Selbstverliebtheit in die eigene Matratze direkt in die Armut: „Liebe den Schlaf nicht, daß du nicht arm werdest; laß deine Augen offen sein, so wirst du Brot genug haben.“

Und der Prophet Amos schließlich warnt ausdrücklich vor der Vergötterung des Schlafes und vor einer exzessiven Schlafkultur und wendet sich an die, „die ihr schlaft auf elfenbeingeschmückten Lagern“.

Neben all dem hat freilich auch der Kirchenschlaf eine lange Tradition. In der Apostelgeschichte berichtet Paulus über einen jungen Mann, der „sank in einen tiefen Schlaf, weil Paulus so lange redete; und vom Schlaf überwältigt fiel er hinunter vom dritten Stock.“ für mich als Pfarrer ist dabei ebenso tröstlich wie wohl für jeden Predigthörer, daß die Bibel außer der indirekten Kritik über die Länge der Predigt des Paulus kein kritisches oder böses Wort verliert, weder über Paulus noch über den Kirchenschläfer.

Nun mag man versucht sein, Paulus zu den Schlafverächtern zu zählen, wenn er sagt: „So laßt uns nun nicht schlafen wie die andern.“ Dies aber hieße, ein Zitat aus seinern Zusammenhang zu reißen und falsch zu interpretieren. Paulus geht es an dieser Stelle vielmehr um das „Wach sein für Gott“: „Wir aber, die wir die Kinder des Tages sind...“

Bemerkenswert ist ein weiterer Gedanke: Gott selbst scheint zu schlafen angesichts von Unrecht und Gotteslästerung, eine weitere Lebenserfahrung, die vermutlich viele Zeitgenossen teilen. Der Psalmist läßt in solcher Situation nun Gott „erwachen wie einen Schlafenden“. Und zu aller Überraschung greift Gott am Ende doch hart durch. Das erinnert etwa an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, wenn es dort nach vielen Jahren der Sklaverei heißt: „Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.“ - nun erst wird das Volk unter Mose in die Freiheit geführt und die Armee der Ägypter vernichtet.

Die für Delta-t-Mitglieder markanteste Bibelstelle freilich dürfte die folgende sein, in der erholsamer Schlaf geradezu für heilig erklärt wird:
Wenn einer seinen Nächsten des Morgens früh
mit lauter Stimme segnet
so wird ihm das für einen Fluch gerechnet.
Die Sprüche Salomos (Sprichwörter)
Die Bibelstellen im Einzelnen:

Das 1. Buch Mose (Genesis)
(28:16) Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wußte es nicht!

Das 3. Buch Mose (Levitikus)
(26:6) Ich will Frieden geben in eurem Lande, daß ihr schlafet und euch niemand aufschrecke. Ich will die wilden Tiere aus eurem Lande wegschaffen und kein Schwert soll durch euer Land gehen.

Der Psalter
(127:2) Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht / und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Die Sprüche Salomos (Sprichwörter)
(6:9 - 6:11) Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinern Schlaf? Ja, schlafe noch ein wenig, schlummre ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, daß du schlafest, so wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann.

(20:13) Liebe den Schlaf nicht, daß du nicht arm werdest; laß deine Augen offen sein, so wirst du Brot genug haben.

(27:14) Wenn einer seinen Nächsten des Morgens früh mit lauter Stimme segnet, so wird ihm das für einen Fluch gerechnet.

(78:65) (..Sie versuchten Gott und trotzten dem Höchsten und hielten seine Gebote nicht... sie erzürnten ihn mit ihren Höhen und reizten ihn zum Zorn mit ihren Götzen...) Da erwachte der Herr wie ein Schlafender, / wie ein Starker, der beim Wein fröhlich war...

Der Prediger Salomo (Kohelet)
(5.11) Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen; aber die Fülle läßt den Reichen nicht schlafen.

Der Prophet Jesaja
(5:11) Weh denen, die des Morgens früh auf sind, dem Saufen nachzugehen, und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzt.

Der Prophet Amos
(6:4 - 6:8) ...die ihr schlaft auf elfenbeingeschmückten Lagern und euch streckt auf euren Ruhebetten? Ihr eßt die Lämmer aus der Herde und die gemästeten Kälber und spielt auf der Harfe und erdichtet euch Lieder wie David und trinkt Wein aus Schalen und salbt euch mit dem besten Öl, aber bekümmert euch nicht um den Schaden Josefs. Darum sollen sie nun vorangehen unter denen, die gefangen weggeführt werden, und soll das Schlemmen der Übermutigen aufhören. Denn Gott der HERR hat geschworen bei sich: Mich verdrießt die Hoffart Jakobs, spricht der HERR, der Gott Zebaoth und ich hasse seine Paläste. Darum will ich die Stadt übergeben mit allem was darin ist.

Das Buch Ester
(6:1) In derselben Nacht konnte der König nicht schlafen und ließ sich das Buch mit den täglichen Meldungen bringen...

Das Buch Jesus Sirach
(22:7 - 22:9) Wer einen Narren lehrt, der leimt Scherben zusammen oder handelt wie einer, der jemand aus tiefen Schlaf weckt. Wer mit einern Narren redet, der redet mit einem Schlafenden, der am Ende fragt: Was ist denn?

(31:1) Wachen um des Reichtums willen verzehrt den Leib, und sich darum sorgen läßt nicht schlafen.

(31:2) Wenn einer wach liegt und sich sorgt, so kann er nicht einschlafen, und schwere Krankheit verscheucht den Schlaf.

(40:5 - 40:8) Und wenn einer des Nachts auf seinem Bett ruhen und schlafen soll, beunruhigen ihn allerlei Gedanken. Wenn er schon ein wenig ruht, so ist´s doch nichts damit; denn bald ist ihm im Schlaf, aIs wäre es Tag und er sähe die Feinde kommen, und er erschrickt im Traum, als fliehe er aus der Schlacht; und im Augenblick der Not wacht er auf und ist heilfroh, daß die Furcht umsonst war. Dies widerfährt allem Fleisch, sowohl Menschen wie Vieh, aber den Gottlosen siebenmal mehr;

Das Evangelium nach Matthäus
(26:45) Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, daß der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird.

Das Evangelium nach Markus
(14:41) Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Menschensohn wird überantwortet in die Hände der Sünder.

Die Apostelgeschichte des Lukas
(20:9 - 20:11) Es saß aber ein junger Mann mit Namen Eutychus in einem Fenster und sank in einen tiefen Schlaf weil Paulus so lange redete; und vom Schlaf überwältigt fiel er hinunter vom dritten Stock und wurde tot aufgehoben. Paulus aber ging hinab und warf sich über ihn, umfing ihn und sprach: Macht kein Getümmel; denn es ist Leben in ihm. Dann ging er hinauf und brach das Brot und aß und redete viel mit ihnen, bis der Tag anbrach; und so zog er hinweg.

Der 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher
(5:6 - 5:8) So laßt uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern laßt uns wachen und nüchtern sein. Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.

(5:10 -5:11) (Jesus Christus,) ... der für uns gestorben ist, damit ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. Darum ermahnt euch untereinander! und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

∆-t-Schlaf (Zeitversetztes Schlafen) in der Bibel

Material-Erfassung von Jo Winter (* 1944, † 2006),


1. Mo 1, 5.8... Da wurde aus Abend und Morgen der 1., 2. ... usw. Tag

Die Bibel erweist sich als d a s Lehrbuch für alle ∆-t-Freunde: Bereits auf der ersten Seite, in der Schöpfungsgeschichte beginnen alle Tage mit dem Abend. Der Abend kann also nicht einfach Schlafengehen meinen. Im Gegenteil: Hier wird vermittelt, daß Gott der große Nachtaktive ist, daß die Schöpfung der Welt eine "Nacht- und Nebel-Aktion" ist. Unsere Erde ist ein Nachtschattengewächs Gottes!.

Wohlgemerkt: Dies wird verdeutlicht, nach der Erfindung des Lichtes. Tag und Nacht gibt es schon! Gott arbeitet und zeigt sich nachts. Gerade da macht er Licht! Die ganze Bibel ist durchzogen von dem Dualismus Licht-Finsternis und den Aussagen: Gott bringt Licht in’s Dunkel der Welt.


1. Mo 2, 20 f Und der Mensch gab einem jeden Vieh und den Vögeln unter dem Himmel und Tieren auf dem Felde einen Namen, aber für den Menschen wurde keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre. Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein.

Im Fortgang der Bibel geht’s weiter um Schlaf - und zwar um außergewöhnlichen, um kreativen! Schlaf hat was mit dem Mitmenschen zu tun, in diesem Falle mit dem wichtigsten: der Frau! Es steht nicht explizit da, wann der Mensch schläft. Aber: Er hatte gerade Tiere gezählt und benamt; da kann’s also bloß am hellen Tag gewesen sein. Da fällt auf, daß die Partnerin fehlt. Da wird er eingeschläfert (also gewiß nicht zu einer bürgerlichen Zeit) da ist weder Zähl- noch Fehl-Zeit - sondern eben heller Tag, "Unzeit"! Das steht da wohl extra da, weil es bereits für die frühen Bibel-Schreiber so ungewöhnlich war!


1. Mo 15, 12 Als nun die Sonne am Untergehen war, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und große Finsternis überfielen ihn.

Schon das 1. Buch Mos. nennt ein ∆-t-Phänomen eindeutig und direkt beim Namen Klartext: Wer mit Sonnenuntergang einschläft, taucht ein in den Bereich der Finsternis der Welt. Er wird zu einem Teil der immer als finster gedachten Welt, des Widergöttlichen (s.o.: Schöpfung). Er wird selber finster; er hat ja die Scheuklappen runtergeklappt. So früh einschlafen bringt Schrecken, ist "schreck-lich" (Traum-Schrecken auch bei Dan 2; Dan 5 s.u.). Und die dann folgenden Visionen sind dementsprechend (V. 17: Rauchender Ofen, Flammenzüngeln).


1. Mo 32, 23 ff Und Jaks stand auf in der Nacht und nahm seine Frauen ... und zog an die Furt des Jabbok ... und blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach...

Die Nacht war also schon weit vorgedrungen. Und dann der Marsch - und dann der Ringkampf mit Gott selbst! Im Laufe das spannenden Kampfes wird es Morgen und Jaks umbenannt. Das war die rechte Zeit für Gott, einen zu treffen, der sich nicht an die üblichen Zeiten hält. Gott "ringt" mit ihm bzw. Jaks ringt mit Gott zur angemessenen Zeit. D.h.: Wer sich um diese Nachtzeit Gott "stellt", dem kommt er ganz nahe, dessen Leben wird gerettet, der erhält ein neues Aktions-Programm, das sich in dem neuen Namen widerspiegelt.


Ri 16, 19 f Sie ließ ihn einschlafen in ihrem Schoß ...Und sie fing an, ihn zu bezwingen - da war seine Kraft von ihm gewichen ... Aber er wußte nicht, daß der Herr von ihm gewichen war. Da ergriffen ihn die Philister und stachen ihm die Augen aus und legten ihn in Ketten und er mußte die Mühle drehen im Gefängnis.

SIMSON: Ri 13 - 16: Der mit der unbändigen Kraft, weil der Herr mit ihm war.

Das "ganz normale" Einschlafen bei der Delia brachte ihm das tödliche Ende: "Und sie fing an, ihn zu bezwingen". Wichtig ist, daß hier klar ausgesagt wird: Gott selbst wendet sich von dem ab, der, auf diese Weise "wie alle" schläft. Gott schenkt also seine Kraft nur dem, der sich nicht einschläfern läßt. So wie Simson plötzlich "normal einschlafen" nimmt alle Kraft, ist tödlich: Wer so einschläft, für den folgen Nacht (Blindheit, ewige Finsternis) und Sklaverei auf dem Fuße.


1. Sam 3, 3 ff Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich im Heiligtum des Herrn hingelegt, wo die Lade Gottes war. Und der Herr rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich - und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber antwortete: Ich habe nicht gerufen, geh wieder hin und lege dich schlafen ... (nochmal) ... beim: drittenmal...merkte Eli, daß der Herr den Knaben rief, und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, Herr, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort. Da kam der Herr und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel. Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.

Das Kind Samuel war zu bald ins Bett gegangen. Gott hat andere Zeiten: "göttliche Nachtzeiten!" s.o. So konnte Sam. den Herrn nicht erkennen, weil er zu einer anderen, ungöttlichen Zeit schlief. Alle Traumgesichte und Visionen kommen zu tiefster Nacht (s.u. Hi 4!). Erst als es spät genug war, war es Zeit, war der Junge reif für die Botschaft Gottes. Diese Weisheit mußte er erst lernen durch die dreifache Wiederholung, bis es so "herr-lich spät" war. Und das mußte der weise Alte ihn erst lehren.

Jo: "Es gibt Dinge, die kann man sich nicht nachmittags Um 3 sagen - sondern nur nachts Um 3."


1. Kg 18, 26 f Und sie riefen Baal an vom Morgen bis zum Mittag und riefen: Baal, erhöre uns! Aber da war keine Stimme und keine Antwort. Und sie hinkten um den Altar, den sie gemacht hatten. Als es nun Mittag wurde, verspottete sie Elia: "Ruft laut, daß er aufwacht! Denn er ist ja ein Gott; er ist in Gedanken oder er macht sein Geschäft oder ist über Land oder er schläft vielleicht."

Elia verspottet die Götzendiener und deren "Gott": Der macht vielleicht dies und das oder schläft sogar - also ganz "normal"-bürgerliches Verhalten. Von Jahwe ist solch eine Aussage undenkbar, der arbeitet besonders nachts. Der Gott der Juden ist zu allen Tages- und vor allem Nachtzeiten wach und da (s. u. PS 121). Gerade weil er solches ∆-t-Verhalten "an den Tag legt", ist er den Göttern der Umgegend überlegen


1. Kg 19, 4 ff Elia ging hin in die Wüste: eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iß! Und er sah sich um und siehe, an seinem Kopfende lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser.

Ich lese ab: Der hat natürlich am hellichten Tag dort geschlafen, weil:
- Bei Nacht hätte er das Brot und Wasser ja nicht sehen können: "...und siehe" (!)
- Dort sind mittags 60 Grad in der Sonne. Wenn man da einen Tag durch die Wüste gelaufen ist und zusätzlich noch Hunger hat, will man schlafen und sterben. (Schon in Italien ruht ab mittags alles.)
- Nachts leben im Gegenteil die Lebensgeister wieder auf - da ist die Zeit der Aktivitäten, des Lebens!


Hi 4, 13 f Beim Nachsinnen über Gesichte in der Nacht, wenn tiefer Schlaf auf die Leute fällt - da kam mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschraken. Und ein Hauch fuhr an mir vorüber; es standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe.

∆-t-Schlüsselstelle: "Gesichte", also: göttliche Visionen, direkte Kontakte zu Gott passieren bloß in ganz tiefer Nacht, dann, wenn die "Leute", die Massen schlafen! 1. Mos 28, 10 ff: Jaks sieht die Himmelsleiter; 1. Mos 37, 1 ff: Josephs Träume; Sach 1 - 6; Daniel-Visionen Dan 7 - 8; 10.
Der Denker aber schläft gerade da nicht - sondern denkt, denkt nach über Gott und den Kontakt. Die "Gesichte" kriegt man bloß, wenn alle schlafen, kein Auto, kein Tel. mehr stört.
Achtung: Das Nachdenken des Hiob über die "Gesichte" ist noch später: Der Denkprozeß ist ja erst nach den gehabten göttlich-nächtlichen Visionen. Auch hier wieder: Furcht und Schrecken in dem Zeitraum, in dem die Masse schläft, hier aber bes.: w e i l die alle schlafen (!); kalter Schauer ("Hauch"), d a ß das Volk schläft. Der Schreck ist so existentiell, daß der ganze Körper mit erschrickt: Bis ins Mark / Haare zu Berge

Klartext: Daß alle schon schlafen, wenn Gott (das Gute) sich zeigt, sich offenbart - das ist so schlimm, daß dem Wissenden die Körperfunktionen durcheinandergeraten.



PS 121, 3 f Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.


Von Gott wird also (hier ausgesprochen, sonst immer vorausgesetzt) gesagt: Er schläft gar nicht. Nichtmal Mittagsruhe scheint er zu machen ("Schlummern"). Schlaf und Dösen gehören also zu unserm niederen Menschsein, zur "sarx": Sündiges Fleisch, das eben wie seine Fleischeslust auch seinen Schönheitsschlaf braucht ("Alles ist eitel"). Und den möglichst noch vor Mitternacht! - Da gibt es ja immer wieder Theorien, daß der gesund sei. "Göttlich" ist Schlafen auf alle Fälle nicht. Na klar, beim Schlafen verpaßt man alle Gelegenheiten!
PS 127, 2
Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und esset euer Brot mit Sorgen;
denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.
Axiomatische ∆-t-Stelle. Keine Erläuterungen notwendig.


PS 132, 4 f Ich will meine Augen nicht schlafen lassen noch meine Augenlider schlummern, bis ich eine Stätte finde für den Herrn.

Da hat ein Beter begriffen, zu welcher Zeit es drauf ankommt, alles für den Herrn vorzubereiten. Wenn alle bisherigen Erkenntnisse stimmen, kommt der Herr nicht tags oder abends, ist es also nötig, lange aufzubleiben - auch wenn das offensichtlich für den damaligen ∆-t-ler ungewohnt ist. Auch eine kurze Schlummerstunde darf er sich zu solch einer Nachtzeit nicht genehmigen.


Spr 6, 9 ff Wie lange liegst du, Fauler? Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf? Ja, schlafe noch ein wenig, schlummere noch ein wenig, schlag nur die Hände ein wenig ineinander, wenn du schläfst. So wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann. (// Spr. 23, 33 ff)

"Bourgeoise" Gegenstelle gegen den bisherigen roten Faden: Offenbar von außerhalb eingetragen. Wie weit solcher Denkansatz von allem sonstigen Denken in der Bibel entfernt ist, zeigt die reine Gewinnorientierung der Aussage - diametral zu Jesus: "Du kannst nur Gott dienen oder dem Mammon" - und allen entsprechenden AT- und NT-Stellen. Es fehlt jegliche bisherige Weisheit. Stattdessen ist ein rüder, präkapitalistischer Ton angeschlagen
Besonders auffällig, wie Schlafen (menschliche Regeneration - s.o.) mit Faulheit gleichgesetzt wird. Dabei wird der Schläfer zwar in Gebetshaltung (Hände ineinander, Gott verbunden) wahrgenommen, aber eben vor lauter Profitsucht nicht in seiner innigen Gott-Verbindung erkannt.


Jer. 31, 23 ff So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: "Man wird dies Wort wieder sagen im Lande Judas und in seinen Städten, wenn ich ihr Geschick wenden werde: .... ich will die Müden erquicken und die Verschmachtenden sättigen." Darüber bin ich aufgewacht und sah auf und hatte so sanft geschlafen.

Die gute, göttliche Botschaft zur Nacht (die den Schläfer im Tiefschlaf antrifft), bewirkt allein durch ihr Ergehen einen guten, erholsamen Schlaf, sicher spielt auch der positive Inhalt eine Rolle. Voraussetzung ist aber in jedem Falle ein ordentlicher ∆-t-Schlaf / ungestört usw. s.o.


Dan 5, 5 ff König Belsazer machte ein herrliches Mahl für seine tausend Mächtigen und soff sich voll mit ihnen ... Da gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand ... Mene tekel u-parsin.... Mene, das ist, Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Tekel das ist, man hat dich auf der Waage gewogen und für zu leicht befunden. Peres, das ist, dein Reich ist zerteilt... Aber in derselben Nacht wurde Belsazer, der König der Chaldäer getötet.

Die Szene findet mitten in der Nacht statt: Offensichtlich war das Fest schon weit vorangeschritten; die Leuchter wären bei Tag nicht erwähnt worden; "in derselben Nacht" ist dann noch später. Um diese Stunde, als die Bürger wohl schliefen die Mächtigen aber abgöttisch feierten, passiert dieses göttliche Zeichen - mit allen seinen Schrecken.
Es ist eine der ganz wenigen Stellen, bei der uns das WIE des Schreck-lichen gezeigt wird: eine einzelne Hand schreibt etwas, Belsazer entfärbt sich - zu Recht. Dreifach Schlimmes wird ihm mitgeteilt: Seine Macht, seine Person und seine Habe sind beendet; nach der Deutung kommt er um.
Wer also die "göttlichen Stunden" zum Feiern und Gotteslästern nutzt, erlebt selbst den "Schrecken".


Mt. 8, 23 ff Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein großer Sturm im Meer, so daß auch das Schiff überschüttet wurde. Und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm ...: Herr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?

Jesus - der zu anderen Zeiten schläft. Die sind mit Sicherheit nicht nachts losgefahren. Also schlief er dort unbekümmert am hellen Tag. Jesus "weiß", daß da nichts passiert, wo einer diesen "göttlichen Schlaf" vollzieht, also gehorcht.
Der "Gottessohn" - also der, der nach biblischer Aussage ganz nahe an Gott ist, bringt nicht nur dessen gute, mitmenschliche Botschaft sondern auch lebensfrohe Schlafenszeit zu den Menschen.
Die Jünger agieren wie so oft als Vertreter der "Normalen", der "Bürger" (vgl. Speisung der 5000!): Genauso wenig sie sich vorstellen können, daß bei solchem Sturm jemand schläft, schlafen kann, sich nicht um das offensichtlich bedrohte leibliche Wohl kümmert, genauso wenig erkennen sie diese Art zu schlafen als die eigentlich heilbringende.

Erkenntnis: Wer zu anderen Zeiten schläft, braucht das Verderben nicht zu fürchten.


Mt 9, 18 ff Da kam einer von den Obersten der Gemeinde und fiel vor ihm nieder und sprach: Meine Tochter ist (Parallelen) soeben gestorben ... Und als er in des Obersten Haus kam, und sah die Pfeifer und das Getümmel des Volkes, sprach er: Weichet! Das Mädchen ist nicht tot, sondern schläft. Und sie lachten ihn aus. Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff es bei der Hand. Da stand das Mädchen auf.

Hier können wir nur vermuten - aber immerhin wird deutlich: Jesus erkennt die ∆-t-Freundin und kann sie leicht aufwecken. Vielleicht war sie auch sonst "anders"- aber sie schläft ja wirklich bloß: Für den bessergestellten Vater war es freilich undenkbar, daß jemand - noch dazu seine Tochter - beim Schlafen dermaßen aus der Reihe tanzt und mitten in einer feiernden Gesellschaft tagsüber sich hinlegt. (die Musikgruppen und das ganze zu normalen Zeiten schlafende "Volk" sind zugange).
Die Tochter scheint so a-normal, daß ihr Tod angenommen wird - und das nicht nur vom Vater! Und der ∆-t-Freund, der über diese andere Schlaf-Weise informiert ist, wird ausgelacht.


Mt 13, 25 f Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.

Wie inzwischen erkannt: "Die Leute schliefen" ist Metapher für Normal-Bürgerlich-Schlafen. Wo so "normal" geschlafen wird, sind solche Sabotageakte möglich. Jesus meint offensichtlich: Das Reich Gottes bricht ohne Behinderungen nur für Zweitnormale an. Dabei ist "der Feind" immer: der Teufel - also der mit den anti-göttlichen Schlafzeiten.


Mt 26, 36 ff Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, und sprach zu seinen Jüngern: ... bleibt hier und wacht mit mir, und er ging ein Stück hin ... und betete... und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach..: Könnt ihr denn nicht e i n e Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach. Wieder ging er wieder hin und betete ... Und er kam und fand sie wiederum schlafend und ihre Augen waren voll Schlaf. Und er ließ sie und ging nochmal hin und betete: Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, daß der Sohn des Menschen in die Hände der Gottlosen ausgeliefert wird. Steht auf, laßt uns gehen!

Es ist die Geschichte, die uns endgültig und eindeutig Jesus als ∆-t-Bruder offenbart.
Die äußeren Voraussetzungen sind klar: Es ist Abend - und ist wohl sogar über dem Abendmahl (!) später geworden. Die anschließende Verhaftung wird dann zur Nacht passieren - sonst hätte es der Identifikation durch den Judas nicht bedurft.
Für die Jünger war es also längst Schlafenszeit - für den ∆-t-Jesus freilich nicht: Er hat jetzt gerade Hoch-Zeit, es ist die Stunde des optimalen Gotteskontaktes (s.o. immer wieder!) So ist er in Topform und betet nicht nur einmal fix dahin - sondern dreimal ganz intensiv.
Die Jünger sind schon nach dem erstenmal völlig aus ihrer Ordnung und können nicht leisten, was der Andersartige da von ihnen verlangt: Wachen! Sie schlafen schnell ein. Es sind dieselben, die nie irgendetwas wirklich vom "Meister" verstanden haben, dieselben, die immer "sarx" (Fleisch, Mensch, Welt, Normalschlaf) geblieben sind.
Jesu Rede zeigt die Unvereinbarkeit der beiden Schlaf-Typen: Nichtmal das kleinste Zugeständnis an eine andere Gewohnheit können die machen, die dermaßen in ihrem Rhythmus gefangen sind.
Jesus demonstriert die Toleranz der Zweitnormalen und "ließ sie" - geht aber wieder zum "Kontakt". Erst am Schluß klingt’s nach bitterer Ironie: Als es wirklich ums Leben geht, sind die Schläfer immernochnicht in der Lage, wirklich menschlich zu reagieren. (Im Gegenteil: Einer greift sogar zu Gewaltmitteln - nun wirklich das Gegenteil des bei Jesus Beobachteten.
Wo hatte der das Schwert her? Normalschläfer stehen unter Waffen sie gehören ja zu "denen"! Die "Freunde Jesu" stehen also gerade dann, als es drauf ankommt, nicht wirklich bei ihm. Sie hatten noch den "normalen Schlaf" in den Augen! Sie sind nicht "wach"!
Und Jesus setzt seinen großen Lehrsatz für die ∆-t-ler aller Zeiten: "Wacht und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallt!" Wer zu bald schläft, ist dem Versucher hilflos ausgeliefert, erlebt die "göttlichen Stunden" nicht, die Visionen, die Weisheiten, bleibt für immer in seinem System haften. Na klar "beten" wir alle, wenn wir wachen: Wir langweilen uns ja nicht mit uns selbst - sondern machen gerade um diese Zeit die eigentlichen Dinge der Menschheit.


Joh. 11, 9 f Wer des Tages wandelt, der stößt sich nicht; denn er sieht das Licht dieser Welt. Wer aber nachts wandelt, der stößt sich, denn es ist kein Licht in ihm.

Scheinbar ist das eine "Gegenstelle" - aber nur, wenn man sie mit bürgerlichen Augen liest, mit den Augen derer, die sich nicht gern "stoßen", die nirgendwo anecken wollen.
Anders Jesus, der Stein des Anstoßes, "der Stein, den die Bauleute verworfen haben", Jesus, wegen dem man Vater und Mutter verläßt, um ihm nachzufolgen, Jesus, der "Skandal" schlechthin (skandalon bei Paulus; normalerweise als "Ärgernis" übersetzt)
Im Lichte dieser Erkenntnis wird Joh 11 zu einer guten Belegstelle für ∆-t: Die konformistisch lebenden Bürger, die alles mitmachen und schlafen, wie es sich gehört, die stoßen nirgendwo an; die sehen aber auch nur das Licht dieser Welt - nicht das göttliche!
Umgekehrt: Wer nachts aktiv ist wie Gott, wie Jesus - der ist "Skandal" wie Jesus, der hat nicht ein irgendwie geartetes "Licht" in sich (Vgl. Baghwan u.a. Jugendreligionen heute!) - sondern bekommt das Licht, die Erleuchtung von außen; weiß, daß er so am besten "Kind Gottes" ist: Lichtgeführt (verbum externum - Wort von außen, die Wahrheit kann man sich nicht selber sagen).


Apg 16, 23 ff Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie. Plötzlich aber passierte ein großes Erdbeben, so daß sich die Grundmauern des Gefängnisses bewegten. Und bald wurden alle Türen geöffnet und die Fesseln der Gefangenen gelöst.

Im Unterschied zu den Jüngern scheint Paulus die "besonderen Zeiten Gottes" erkannt, gewußt und aufgegriffen zu haben: Er betet also nach dem Beispiel Jesu mit seinem Schüler um Mitternacht. Das ist die Stunde, in der Gebete erhört und mit göttlichen Zeichen beantwortet werden. Fast scheint es so, als ob nachts die Gebete am besten bis zu Gott selbst vordringen.
Dem Schreiber der Geschichte ist das nach wie vor so abartig, daß er es extra erwähnt und sogar Zeugen aufführt für solch zweitnormales Schlafen (die anderen Gefangenen!).
Paulus ist also nicht bloß Theoretiker der ∆-t-Lehre - sondern praktiziert anderes Schlafen selber. (s.u. Rö 13 usw.) Er weiß , wann er von seinem "Nacht-Gott" etwas erwarten kann.


Rö 13, 11 f Und das tut, weil ihr die Zeit wißt, nämlich: daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher, als damals, als wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nahe herbeigekommen. So laßt uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes.

Zeitversetztes Schlafen ist an keine Tages- oder Nachtzeit gebunden / auch das Aufstehen nicht. Hier geht es offenbar um die allerletzten Nachtstunden, in denen das Heil für die Menschen schon anbricht - d.h.:
- Wer erst "früh" (also kurz vor Tagesanbruch) schläft, der (und nur der) wird’s erleben
- "die Zeit wissen" kann bloß auf die alttestamentliche ∆-t-Tradition zurückgehen (s.o.)
- "näher, als .. wir gläubig wurden" - d.h.: Im Vollzuge des christlichen Glaubens erfährt der Einzelne bzw. die Gemeinde, wie wichtig zeitversetztes Schlafen für das "HEIL" des Menschen ist.
Wieder und weiter ist - auch nach Jesus von der weit fortgeschrittenen Nachtzeit die Rede; d.h.: Es muß dieses Wissen also über Jesus hinaus (von Paulus s.o.: Apg) tradiert worden sein.

Erkenntnis: Wachen während andere schlafen ist die eine Methode, der Finsternis Paroli zu bieten.


1. Th. 5, 6 So laßt uns nicht schlafen wie die andern, sondern laßt uns wachen und nüchtern sein. Denn, die da schlafen, die schlafen nachts.

Das ist natürlich ein Klassiker gegen Ende: Paulus zeigt nochmal deutlich, was er zu ∆-t über Jesus vom Leben und Heilwerden gelernt hat. Es muß der ersten Christenheit ganz wichtig gewesen sein. Paulus greift das hier auf und mahnt’s nochmal nach - , daß sie sich vor allem in puncto Schlafen von der heidnischen oder jüdischen, in jedem Falle "unheilen" Masse - abhebt und zu anderen Zeiten mit ihrem Gott umgeht, wie sie das aus der alttestamentlichen Tradition und von Jesus her begriffen hat.
-Es ist der Beleg für ein früh entwickeltes elitäres Bewußtsein der andersschlafenden Christenheit. "Denn, die da schlafen, die schlafen (wie alle Finsterlinge) nachts".


1. Th. 5, 9 f Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern das Heil zu gewinnen durch unsern Herrn Jesus Christus ... auf daß - egal, ob wir wachen oder schlafen - wir zugleich mit ihm leben sollen.

Der Punkt auf’s i der ∆-t-Lehre der Bibel: Richtig "leben" tut der, der im Rhythmus mit dem ∆-t-Mann Jesus lebt, d.h. wacht und schläft zu den Zeiten, die Jesus als "Heil" vorgelebt hat. Die also "heil" werden wollen, schlafen und wachen mit Jesus zu den frei verfügbaren Zeiten; die leben "zugleich" mit ihm, haben Anteil an allem Guten, das Jesus in die Welt gebracht hat. Die anderen aber sind letztlich auch nie ganz verloren; sie können ja ab morgen: anders schlafen.


Epilog: Als wir 1994 bei Szeged in die Sozialistische Republik Jugoslawien einreisen wollten, war es am Sonnabendabend 23.30 geworden. Wir hatten keine gültigen Visa gekriegt - aber jede Menge kirchlich beglaubigter Papiere, daß wir eine Friedensdelegation der Kirche wären usw. Der Sicherheitsbeamte im vertraut grauen Mantel und hochgeklappten Kragen verschwand eine dreiviertel Stunde mit unseren Papieren, dann kam er, gab uns alles wieder und schickte uns zurück mit dem Argument: "Gott arbeitet nicht um diese Zeit." Er sollte sich täuschen.