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Half-asleep on the way to school

You don’t have to explain to a dyed-in-the-wool Delta t-er the torture involved in being dragged out of bed half-asleep at an ungodly hour of the morning from early age to go to your earliest school lesson, loaded down with kit and in the middle of winter to boot. That’s a horrific way to start the morning and, for many of us, just the start of many daily morning horrors.
But our school times do not only cause problems for future night hawks. Even the majority of normal people are at a considerable disadvantage during their school years because of these.
Changing this factor is, as far as Delta t is concerned, equivalent to promoting our youth.

Das Schlafbedürfnis Heranwachsender und die Schulanfangszeit

Mit diesem Schwerpunktthema brachte PHI DELTA KAPPAN, eine amerikanische Monatszeitschrift für Erziehungswissenschaften, bereits Januar 1999 ein Heft heraus. Hierin wird über in den USA durchgeführte wissenschaftliche Studien berichtet.
Eine der beteiligten Wissenschaftler/innen Mary Carskadon (Director, Bradley Hospital Sleep and Chronobiology Research Laboratory Professor, Psychiatry and Human Behavior, Brown Medical School) schreibt hier sehr pragmatisch, dass man unter der Vorgabe, Schulerziehung diene der Maximierung des menschlichen Potenzials, dafür sorgen müsse, dass die Lernbedingungen mit der Biologie der Lernenden in Einklang stehen.
Als wir sie kontaktierten erwies sie sich zudem als höchst freundlich und kooperativ und schickte uns ein Fülle von Material und Aufsätzen – vielen Dank!

Liane Launhardt hat sich für uns mit dem Inhalt befasst.
Späterer Schulbeginn - Hoffnung für Nachteulen ?
Eine typische Schulszene: 

"Kramer, wie stehen Sie zu dieser Frage?"
"Tja - äh, hmm..."
"Also: gar nicht! Weil Sie mal wieder nicht aufgepasst haben -
und deshalb überhaupt nicht wissen, worum es geht!"

Der herbe Schulalltag von jungen Nachteulen. Deren innere Uhr eben morgens auf Schlafen und nicht auf hellwache Aufmerksamkeit eingestellt ist. Weil nun aber niemand gern ein Versager ist, versuchen sie, die zum Lernen erforderliche Konzentration trotzdem irgendwie zustande zu bringen - und müssen sich dafür die doppelte geistige Anstrengung abverlangen, mindestens! Anders ausgedrückt: sie brauchen ein hohes Maß an Energie, nur um wach zu bleiben - Energie, die Lerchen bereits tatkräftig in Leistung umsetzen zu können!

In der Schule fängt es an, im Berufsleben geht es dann weiter. Und wenn es uns Nachtmenschen nicht irgendwann gelingt, uns den gesellschaftlichen "Morgenzwängen" zu entziehen, müssen wir uns eben ununterbrochen selbst vergewaltigen - jeden Arbeitstag, ein Leben lang!
Auf Krankwerden vorprogrammiert
Dass dies auf Dauer krank macht, steht inzwischen außer Frage. Denn die unausweichliche Folge eines ständigen Aufstehen- und Leistenmüssens zur Unzeit ist natürlich ein chronisches Schlafdefizit - mit gravierenden Folgen! Nun meinen zwar die meisten von uns Nachteulen, sich schließlich irgendwie mit weniger Schlaf zu arrangieren - aber tatsächlich rebelliert der geschundene Organismus dann doch irgendwann. Wobei wir - und unsere Ärzte - den eigentlichen Zusammenhang wohl eher nicht sehen...

Über die Langzeitfolgen dauernden Schlafmangels liegen heute zwar noch keine gesicherten Erkenntnisse vor, doch deutet vieles darauf hin, dass Stoffwechselprobleme und Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie vor allem Depressionen ursächlich damit zusammenhängen können.

Aber auch die Kurzzeitfolgen ständigen "Unterschlafens" sind bereits durchaus gravierend. Sie sind inzwischen bestens bekannt, nämlich:


(1) Schläfrigkeit mit den Hauptsymptomen:

- Konzentrationsschwierigkeiten
- geistiges Wegtreten / Sekundenschlaf
- zunehmender Gebrauch von Stimulantien / Suchtgefährdung

(2) Übermüdung mit den Hauptsymptomen:

- Antriebsschwäche / Lustlosigkeit
- mangelnde Ausdauer

(3) Verhaltensstörungen mit den Hauptsymptomen:

- größere Labilität
- Selbstkontroll-Schwierigkeiten
- erhöhte Reizbarkeit / erhöhte Agressivität
- Ungeduld / Intoleranz

(4) Leistungsabfall mit den Hauptsymptomen:

- Wahrnehmungsschwächen
- Unfähigkeit der Lösung komplexer und verbundener Probleme
- verringerte Kreativität
- verminderte Flexibilität
Schlafmangelbedingte Schulprobleme
Nun hat man all diese Symptome seit einiger Zeit zunehmend bei Schülern festgestellt - ganz "normalen", wohlgemerkt, nicht etwa Nachteulen! Und sich damit natürlich auch die Frage stellen müssen, wie man dem Problem am besten begegnen kann. Den Vorreiter haben mit inzwischen zahlreichen Versuchen mit geänderten Schulanfangszeiten die USA gespielt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollten auf Dauer hoffentlich auch in anderen Ländern zum Nachdenken anregen. Wovon dann letztlich auch junge Nachteulen profitieren würden!

Ausgangspunkt der amerikanischen Versuche war die - übrigens weltweit festgestellte - Tatsache, dass Jugendliche mit beginnender Pubertät ihre Schlafmuster verändern. Bekannt ist ja, dass der Mensch als Kind am meisten und dann mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich weniger Schlaf braucht. Die Pubertät scheint hier einen deutlichen Einschub zu bewirken, den die Jugendlichen durch allmählich spätere Einschlafzeiten umsetzen.

Nur hält dieser Prozess leider auch dann weiter an, wenn die erforderliche Schlafdauer unterschritten wird. Denn anders als kleinere Kinder werden die Jugendlichen offenbar nicht mehr "rechtzeitig" von selbst müde, um zur - durch den Schulbeginn vorgegebenen - Aufstehzeit ausgeschlafen zu sein. Mit der Folge der vorstehend aufgelisteten Probleme - die natürlich den angestrebten Lernerfolg ganz entscheidend in Frage stellen!
USA: Versuche mit geänderten Schulanfangszeiten
Bei den in verschiedenen Gegenden der USA durchgeführten Versuchen wurden sowohl spätere als auch frühere Schulanfangszeiten getestet. Gesamtergebnis: für kleinere Kinder war ein relativ später Schulbeginn nachteilig, für ältere Kinder und Jugendliche vorteilig.

Die Gründe lassen sich kurz zusammenfassen:

- Kleinere Kinder gehen abends noch relativ früh schlafen und wachen dann morgens entsprechend früh von allein auf; sie sind mithin bei relativ spätem Schulbeginn bereits vorher geraume Zeit aktiv und dann natürlich in der Schule schon müde und weniger lernfähig.

- Ältere Kinder gehen später ins Bett und unterschätzen dabei zunehmend ihren Schlafbedarf; bei relativ spätem Schulbeginn können sie aber morgens länger schlafen und kommen so ausgeruhter und damit lernfähiger zum Unterricht.

Diese generellen Schlussfolgerungen waren allerdings insoweit einzuschränken, als der jeweilige Effekt zum Teil von den Rahmenbedingungen unterlaufen wurde. Im Vordergrund standen hierbei logistische Probleme (Schultransport, Kinderbeaufsichtigung zu nun anderen Zeiten) und Umstellungschwierigkeiten bei den nachschulischen Aktivitäten (Sport, AGs, Jobs); dies hing aber im Einzelfall wohl auch mit ungenügend langen Vorbereitungszeiten zusammen.
Späterer Schulbeginn löst viele Probleme
Pacy Erck, Lehrerin von Fünftklässlern: " Früher hatte ich einen Haufen Zombies hier sitzen, seit sie später kommen, kann ich endlich vernünftig unterrichten."


Zweifelsfrei fest steht aber nach den in Amerika gewonnen Erkenntnissen, dass ein früher Schulbeginn für ältere Kinder und ihre Lehrer eine frustreiche, nutzlose Veranstaltung ist: Denn zum einen geht auch ein noch so interessanter Unterricht frühmorgens an der Mehrzahl der dösenden Kinder schlicht vorbei! Und zum gestaltet sich der Schulalltag aufgrund der größeren Reizbarkeit und Aggressivität der unausgeschlafenen Schüler problematisch - von der dadurch verstärkten Gewaltbereitschaft und dem auch vor diesem Hintergrund erhöhten Drogenkonsum ganz zu schweigen.

Um die Forderung nach einem relativ späten (etwa 9.00 Uhr) Schulbeginn für ältere Schüler noch stärker zu untermauern, hier noch einige Details aus den entsprechenden amerikanischen Versuchen; befragt wurden die betroffenen Schüler, Lehrer, Eltern und Behördenvertreter:

- Die Schüler begrüßten ganz überwiegend den späteren Schulanfang, hatten größere Lernerfolge und weniger Schwierigkeiten mit Lehrern und/oder Mitschülern und gingen insgesamt lieber zur Schule als vorher;

- die Eltern sahen ebenfalls überwiegend die Lernvorteile für ihre Kinder, hatten aber häufig Einwände wegen der für sie größeren logistischen Schwierigkeiten ihrer Alltagsorganisation (dies besonders in ländlichen Gegenden); positiv hervorgehoben wurde aber oft ein - wegen der weniger gestressten Kinder - harmonischeres Familienleben;

- die Lehrer räumten einmütig eine höhere Aufmerksamkeit der Schüler in der/den ersten Unterrichtsstunde/n und ein generell weniger störanfälliges Schulleben ein, beklagten aber zum einen Abwesenheiten von Schülern mit anderweitigen Verpflichtungen in der/den letzten Unterrichtsstunde/n und zum anderen persönliche Einschränkungen;

- die Behördenvertreter begrüßten die verringerte Störanfälligkeit des Schullebens, beklagten aber die teilweise großen logistischen Probleme beim Schultransport und bei der Kinderbetreuung außerhalb des Unterrichts.

Die vorgebrachten Einwände - soweit sie sich nicht ohnehin auf typisch amerikanische Gegebenheiten beziehen - betreffen ausnahmslos nicht die Schüler, um die es doch aber ganz vorrangig gehen sollte!

Wenn die amerikanischen Versuche nun aber klar nachweisen, dass mit Ausnahme der Kleinsten die Schüler von einem relativ späten Schulbeginn eindeutig und in vielfacher Hinsicht profitieren, dann sollten sich doch wohl auch die Schulpolitiker in Europa mit diesem Thema befassen.

Besonders würden ihnen dies junge Nachteulen danken, die bei einem späteren Schulbeginn zumindest nicht mehr ganz so geplagt wären wie bisher!
Einige Links:
teens and sleep | sleep for science |

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Stimmen von Betroffenen

Hallo!

Also, ich hab da von einem sehr fürsorglichen und verständisvollen Menschen, der häufig im Net unterwegs ist, eure Adresse gekriegt und erstmal meinen Augen nicht getraut. Dachte das wär ein Witz. Aber wenn ich's mir recht ueberlege, ist Delta t der erste Verein, der sich um ein mir wirklich wichtiges, sehr dringendes, sehr zwingendes Problem kümmert...
Um genauer zu sein, ist es meine Mutter, die mir die Adresse zugesteckt hat, und die muss ja wissen, wie schwer ich morgens litt, wie schwer ich aus meinen Träumen zu reissen war... und ich darf gar nicht dran denken, wie viel ich wissen könnte, hätte die Schule nicht früh morgens sondern spätabends stattgefunden...


Liebe Leute von Delta T,

Ich fand es total interessant, im Deutschlandfunk von Euerem Verein zu hören, da ich schon lange behaupte, meine innnere Uhr schlägt anders als die meines Mannes.
Meine ideale Schlafzeit ist von ca. 1.00 - 9.00/10.00 Uhr. Es kann aber auch später sein.
Nun weiß ich, ich bin nicht allein.
Als Mutter von drei Kindern, die teilweise schulpflichtig sind, kann ich nur wenig Rücksicht darauf nehmen und quäle mich um 6.45 Uhr aus dem Bett. Aber so richtig fit zum Arbeiten bin ich vor allem abends. (Es ist gerade 22.30 Uhr...)


Sehr geehrter Herr Woog!

Ich beziehe mich auf den Artikel in der Augsburger Allgemeinen über das Thema: Die innere Uhr. Darin wird Ihr Name und der Verein für Zweitnormalität erwähnt.
Meine 17jährige Nichte, die bei mir lebt, schlägt sich seit ihrer Geburt, insbesondere seit Einsetzen der Pubertät, mit sehr gestörtem Wach-Schlaf-Rhythmus herum. Die Ärzte sind ziemlich hilflos und haben mit Medikamenten versucht, diesen Rhythmus dem der Allgemeinheit anzupassen.
Sie können sich denken, mit welchem Erfolg. Wenn sie um 8 Uhr morgens in der Schule einigermaßen da sein soll, muß sie um 5,45 Uhr aufstehen. Sie schläft aber grundsätzlich nicht vor 2 Uhr nachts ein. Das Dilemma ist so groß, daß sie (trotz eines guten Übergangszeugnisses) von der Realschule zur Hauptschule wechselte, weil sie dem ewigen Druck nicht mehr gewachsen war. Obwohl sie sehr oft fehlte, hat sie nun doch einen sehr guten QA geschafft. Aber nun geht das Elend weiter. Es gibt ja keine Lehre, die am Nachmittag beginnt. Leider rutscht sie mehr und mehr in eine depressive Verstimmung und traut sich absolut nichts mehr zu. Sie fühlt sich als Versagerin. Es fehlt ihr irgendwie die Kraft zum Durchstarten. Ob nun die Depression im Vordergrund steht oder diese aus dem gestörten Wach-Schlaf-Rhythmus entstanden ist, können uns auch die Ärzte nicht sagen.
Ihre absolute Leidenschaft ist der Computer. Sie entwirft stundenlang homepages und newsletters. Ihre absoluten Talente sind auf künstlerischem und sprachlichem Gebiet (Kunst,Deutsch,Englisch eine glatte Eins in allen Zeugnissen).
Können Sie mir einen Rat geben? Was tu ich mit dem Mädchen, das alle für faul halten und das am Computer doch so konzentriert arbeitet. Ich habe für mich beschlossen, sie jetzt 1 Jahr lang ihren Neigungen nachgehen zu lassen, ohne dass sie "durchhängt". D.h. sie sollte einige Computerlehrgänge in Nachmittags- oder Abendkursen machen, einen Nebenjob suchen u. im Herbst 2002 eine Lehre in Richtung Computerausbildung (Mediengestaltung, Software...) machen. Meine Umgebung findet meine Ansichten hirnvernagelt, aber ich selbst halte sie für richtig.

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